Kennen sich deine Teilnehmenden (TN) zu Kursbeginn noch nicht? Haben die TN vor allem Kontakt zu anderen TN der Gruppe aus demselben Herkunftsland? Ist das Lernklima angespannt oder „funktioniert“ die Gruppe nicht richtig? Oder soll der Unterricht einfach kommunikativ sein und Spaß machen? Dann ist es Zeit für (Klein-)Gruppenarbeiten! Ich empfehle Gruppenarbeiten mit 3 bis maximal 6 Personen pro Gruppe, ideal sind meiner Erfahrung nach 3 bis 4 Personen pro Gruppe.

Argumente für Gruppenarbeit im DaF-Unterricht

Eines der für mich persönlich wichtigsten Fortbildungsseminare war zum Thema „Themenzentrierte Interaktion“ (dazu werde ich noch einen eigenen Post schreiben). Darin ging es um die Beziehungen innerhalb von Gruppen. Ich habe mir vor allem eines gemerkt: Wenn die Gruppe nicht einigermaßen harmoniert, kann kaum guter Unterricht ohne Störungen stattfinden. Und die Lernleistung ist auf jeden Fall besser, wenn sich die TN wohl und sicher fühlen, sodass auch die Angst vor Fehlern reduziert wird. Sicher beanspruchen Gruppenarbeiten meistens mehr Zeit, aber diese ist gut investiert. Und ich plädiere auch nicht dafür, an jedem Kurstag eine oder mehrere Gruppenarbeiten durchzuführen, denn erst der Wechsel der Sozialformen macht den Unterricht interessant.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass vor allem in Fortgeschrittenenkursen die für die Vermittlung des Unterrichtsstoffes zur Verfügung stehende Zeit häufig knapp ist. Trotzdem habe ich am Anfang der Kurse immer versucht, ein angenehmes Lernklima zu schaffen, das die TN aus vielen verschiedenen Ländern motiviert. Und das funktioniert am besten, wenn sie sich besser kennenlernen. Ein Mittel dafür: Partner- oder Gruppenarbeiten und eine möglichst variierende Gruppeneinteilung. Am Ende von Gruppenarbeiten stellte ich häufig fest, dass sich diejenigen, die bisher kaum miteinander gesprochen hatten, nun auch in den Pausen und vor oder nach dem Unterricht unterhielten.

Weitere Argumente für Gruppenarbeit im DaF-Unterricht:

  • Sie kann den einzelnen TN entlasten.
  • Sie kann Unsicherheit und Ängste nehmen und Blockaden abbauen (z.B. Angst vor dem Sprechen vor der Gruppe).
  • TN mit verschiedenen Kenntnissen kombinieren ihr Wissen.

Das sollte man bei der Durchführung einer Gruppenarbeit beachten

Beispiel einer Gruppeneinteilung bei Gruppenarbeit

Jemand ohne Lehrerfahrung könnte denken, dass die Gruppenarbeit Freizeit für den Dozenten bedeutet, weil die TN miteinander beschäftigt sind. Das ist aber keineswegs der Fall.

Folgende Punkte solltet ihr bei der Durchführung von Gruppenarbeiten berücksichtigen:

  • Eigentlich selbstverständlich: Die Gruppenarbeit sollte gut vorbereitet und durchdacht sein, d.h. man muss die entsprechenden Arbeitsblätter und Arbeitsmaterialien wie Stifte und Flipchart-Blöcke bereitstellen.
  • Die Aufgabe und das Ziel müssen vor Beginn der Gruppenarbeit sorgfältig erklärt werden. Nichts ist frustrierender, als wenn die Gruppe zuerst herausfinden und diskutieren muss, was denn nun eigentlich gemacht werden soll. Wenn ihr nicht sicher seid, dass die Aufgabe verstanden wurde, könnt ihr einen TN bitten, nochmals zusammenzufassen, wie er/sie die Aufgabe bearbeiten würde. Die Zieldefinition ist wichtig, damit eine Gruppenarbeit von den TN als sinnvoll und nicht als Zeitverschwendung angesehen wird.
  • Auch die vorgesehene Zeit für die Gruppenarbeit sollte kommuniziert werden.
  • Sogar in engen Räumen mit großen Gruppen findet man (fast) immer eine Lösung. Im Extremfall greift man auf Partnerarbeit zurück oder bildet lediglich Dreiergruppen. Wichtig ist, dass nicht immer dieselben nebeneinander sitzenden Personen zusammenarbeiten (siehe Punkt „Möglichkeiten der Gruppeneinteilung“), weil ja nicht nur die Bearbeitung der Aufgabe, sondern auch das Kennlernen der Gruppenmitglieder ein Ziel der Gruppenarbeit ist. Eventuell können sich TN mit den Stühlen einfach zu den hinter ihnen sitzenden TN umdrehen. Meine eigene Erfahrung hat gezeigt, dass es nicht sinnvoll ist, vier TN, die nebeneinander sitzen, zusammenarbeiten zu lassen, weil sich dann wegen der Entfernung oft zwei Zweiergruppen bilden. Vor allem in kleinen Räumen kann der Geräuschpegel während der Gruppenarbeit sehr hoch sein und deshalb ist es besser, wenn die TN möglichst nah zusammensitzen.
  • Um zu vermeiden, dass sich innerhalb der Gruppe wieder Untergruppen bilden, gibt es nur ein Blatt oder ein Plakat für die Lösungen pro Gruppe bzw. ein Gruppenmitglied, das die Lösungen oder Ergebnisse notiert. Erst bei der Besprechung der Gruppenarbeit bekommt dann jeder das eventuell benötigte Arbeitsblatt zum Eintragen der Lösungen. Oder ich fertige, wenn beispielsweise ein Text formuliert wurde, für die anderen Gruppenmitglieder eine Kopie an.
  • Während der Gruppenarbeit sollte die Lehrkraft allen Gruppen für Fragen zur Verfügung stehen und selbst von Gruppe zu Gruppe gehen, um zu kontrollieren, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Man kann auch versuchen, sehr ruhige oder distanzierte TN mit in die Gruppenarbeit einzubeziehen.

Nach der Gruppenarbeit

Im Anschluss an die Gruppenarbeit muss auf jeden Fall eine weitere Unterrichtsphase folgen. Entweder müssen die Lösungen besprochen oder die Ergebnisse von einem oder mehreren Gruppenmitgliedern präsentiert werden. Auch dabei ist es wichtig, einen relativ strengen Zeitrahmen für jede Präsentation vorzugeben.

Die Präsentation muss nicht unbedingt vor der Gruppe erfolgen. Eine schöne Möglichkeit bei verschiedenen Diskussionsthemen in höheren Niveaustufen kann das Bilden neuer Gruppen sein. Das funktioniert so: Die Gruppe hat z.B. 16 TN, es werden 4 Gruppen mit jeweils 4 TN gebildet. Anfangs bearbeitet Gruppe A das Diskussionsthema 1, Gruppe B bekommt Thema 2 usw. Nach Abschluss der Diskussionsrunden bilden sich vier neue Gruppen. Jeweils ein TN aus Gruppe A, B, C und D setzen sich zusammen und berichten sich gegenseitig von ihren Ergebnissen und beantworten Fragen.

Diskussionsrunden als Gruppenarbeit

Möglichkeiten der Gruppeneinteilung

Damit immer wieder andere TN zusammenarbeiten, ist es wichtig, die Gruppeneinteilung zu beeinflussen. Manchmal übernimmt man eine Gruppe, die schon längere Zeit besteht und in der bisher immer nur Banknachbarn zusammengearbeitet haben. Dann klammern sich manche TN regelrecht an ihren Nachbarn und haben Angst, getrennt zu arbeiten. In diesem Fall schlage ich vor, dass man immer zwei Banknachbarn mit zwei anderen Banknachbarn kombiniert. Wichtig ist meiner Meinung nach immer, dass sich die erwachsenen TN nicht bevormundet fühlen.

Es existieren verschiedene Möglichkeiten der Gruppeneinteilung. Hier einige Beispiele:

1. TN bilden selbst eine Gruppe

Diese Möglichkeit funktioniert vor allem in Gruppen mit einem guten Lernklima, in denen sich die TN schon gut kennen. Dann kann es ausreichend sein, nur vorzugeben, dass sich die TN Partner suchen sollen, mit denen sie bisher noch nie oder selten zu tun hatten.

2. Nachbarschaftsgruppen

Diese Möglichkeit solltet ihr nur wählen, wenn es sich um die erste oder zweite Unterrichtsstunde handelt und sich die Banknachbarn noch nicht kennen oder wenn die Gruppe bereits gut harmoniert. Außer wenn es mal schnell gehen muss oder wenn die Aufgabe nicht sehr umfangreich ist und das zeitraubende Umsetzen der TN in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Oder wenn es im Raum so eng ist, dass nur Partnerarbeit möglich ist, weil es ansonsten viel zu chaotisch oder laut wird.

3. Wahlgruppen

Wahlgruppen eignen sich, wenn die TN nach ihrem Interesse entscheiden. Es stehen beispielsweise verschiedene Themen oder Aufgaben zur Verfügung und man kann sich für ein Thema/eine Aufgabe entscheiden. Das bietet sich in Diskussionsrunden an oder wenn in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Wortschatz- oder Grammatikthemen wiederholt werden.

4. Gruppeneinteilung nach einem bestimmten Kriterium

Ein typisches und zeitsparendes Beispiel hierfür ist die Gruppeneinteilung nach dem Geburtsmonat der TN.

5. Zufallsgruppen

Zufallsgruppen kann man beispielsweise einfach durch Durchzählen (jeder zweite, dritte, vierte arbeitet zusammen) bilden. Oder man verwendet Gruppeneinteilungskarten (siehe nächsten Abschnitt).

6. Die Lehrkraft entscheidet

Gerade bei Erwachsenen ist es oft besser, wenn der Zufall eine Rolle spielt. Das ist einfacher zu akzeptieren, als wenn man vom Dozenten von den eigenen Banknachbarn „weggeschickt“ wird. Weiß man aber, dass es zwischen bestimmten TN Probleme gibt, kann es sinnvoll sein, die Gruppeneinteilung selbst in die Hand zu nehmen. Auch wenn man stärkere und schwächere TN für eine Aufgabe kombinieren möchte, damit sie sich gegenseitig unterstützen, ist es besser, man gibt die Gruppeneinteilung vor. Andernfalls kann es passieren, dass eine Gruppe die Aufgabe nach 10 Minuten fertig bearbeitet hat, während eine andere Gruppe gerade einmal ein Drittel der Aufgabe bearbeitet hat.

Gruppeneinteilungskarten zum Download

Ich habe für die Bildung der Gruppen ein laminiertes Kartenset erstellt, das jederzeit im Unterricht eingesetzt werden kann. In diesem Fall ist es für Gruppen mit höchstens 24/25 TN geeignet und für Gruppengrößen von 2 bis 5 TN. Vor der Gruppenarbeit muss man lediglich die passenden Kärtchen aussortieren.


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