Dieser Post steht am Anfang einer Reihe von Beiträgen, in denen ich euch meine Lieblingsübungen für den DaF-Unterricht präsentieren möchte. Lieblingsübung 1 zählt zu meinen absoluten Favoriten, weil sie in jeder Gruppe hervorragend angekommen ist. Wenn die Teilnehmenden am Ende einer Übung darum bitten, sie nochmals zu wiederholen, weil sie lehrreich ist und zudem Spaß macht, ist das wohl der beste Beweis. Sogar andere Lehrkräfte, die meine Kurse besucht haben, waren von dieser einfachen, aber effektiven Übung begeistert.

Warum ist die „Wenn … dann-Kette“ eine Lieblingsübung?

Mit der „Wenn…dann-Kette“ könnt ihr in euren DaF-Kursen auf sehr unterhaltsame Weise mündlich irreale Bedingungssätze (Konditionalsätze) und damit auch den Konjunktiv II üben.

Ein Vorteil der „Wenn … dann-Kette“ ist, dass sie für jede Gruppengröße geeignet ist. Im Einzeltraining wechselt sich die Lehrkraft einfach mit dem Teilnehmenden ab. Ich habe die Übung auch in Gruppen mit über 20 Personen verwendet, zugegebenermaßen nach einigem Zögern, weil immer nur ein TN spricht und ich Angst hatte, dass sich die anderen TN langweilen. Das Faszinierende an dieser Übung ist aber, dass die Teilnehmenden trotz der Dauer der Übung mit Interesse am Ball bleiben, weil sie gespannt sind, wie die Sätze ergänzt werden. Je nach Gruppengröße kann die Übung bis zu 15 bis 20 Minuten dauern.

Die Grundidee zu dieser Übung stammt aus dem Buch (keine bezahlte Werbung!) „Sprache(n) lernen mit Methode – 170 Sprachspiele für den Deutsch- und Fremdsprachenunterricht“ von Alexandra Piel (Verlag an der Ruhr 2002). Wie die Übung funktioniert, was zu beachten ist und wie ich sie den verschiedenen Niveaustufen angepasst habe, das möchte ich in diesem Beitrag darstellen.

Beschreibung der „Wenn … dann-Kette“

Ein weiterer großer Vorteil dieser Übung ist ihre Einfachheit und Unkompliziertheit. Umfangreiche Erklärungen sind nicht notwendig. Das Ziel ist es, irreale konditionale Nebensätze nach folgendem Muster zu bilden: „Wenn ich Geld hätte, würde ich ein neues Auto kaufen.“ Teil zwei des Satzes ist gleichzeitig der Beginn eines neuen irrealen Bedingungssatzes. Die Lehrkraft beginnt.

Beispieldialog 1 (Konjunktiv II Gegenwart, ohne Modalverben):

Lehrkraft: Wenn ich Geld hätte, …
TN 1: Wenn ich Geld hätte, würde ich ein neues Auto kaufen.
TN 2: Wenn ich ein neues Auto kaufen würde, würde ich nach Frankreich fahren.
TN 3: Wenn ich nach Frankreich fahren würde, würde ich Paris besuchen.
usw. usw.

Diese Übung könnt ihr je nach Lehrbuch ab der Niveaustufe A2/B1 verwenden. Voraussetzung ist natürlich, dass ihr den Konjunktiv II eingeführt und auch die irrealen Bedingungssätze intensiv geübt habt. Zur Abrundung des Themas folgt dann die „Wenn … dann“-Kette. Auch im C1-Kurs macht die Übung zur Wiederholung der irrealen Bedingungssätze Spaß.

Jeder TN bildet je nach Gruppengröße mindestens einen Satz. Sollte die Kette stoppen, weil die Sätze zu kompliziert werden oder Ideen fehlen, hilft die Lehrkraft oder gibt einen neuen Satzanfang vor.

Die „Wenn … dann-Kette“ für verschiedene Niveaustufen

In Kursen der Niveaustufe A2/B1 sind einige Vorgaben wichtig, damit die Übung keine Probleme verursacht. In den folgenden Niveaustufen steigert sich der Schwierigkeitsgrad.

Weitere Lieblingsübungen:

DaF-Lieblingsübung 2: Adjektive + Nomen (Adjektivdeklination)
Lieblingsübung 3 DaF: Schriftliche Aufgabe „Zehn Wörter – ein Text“

Irreale Bedingungssätze mit dem Konjunktiv II Gegenwart (A2/B1)

In A2/B1-Kursen wird der Konjunktiv II Gegenwart für die Modalverben eingeführt (müsste, könnte, …). Dann folgen häufig nicht die „klassischen“, heutzutage nur selten oder nicht mehr verwendeten Konjunktiv II-Formen (ich gehe > ich ginge, ich weiß > ich wüsste), sondern die bei den meisten Verben benutzte Bildung mit „würde“ (ich gehe > ich würde gehen, ich weiß > ich würde wissen). Zunächst geht es bei der Einführung des Konjunktiv II Gegenwart – je nach Lehrbuch auf der Niveaustufe A2/B1 – vor allem um höfliche Bitten und Fragen, dann (meist im B1-Kurs) um irreale Wünsche und Bedingungen. Typische Übungsszenarien sind Texte und Übungen rund um das Thema Wünsche und Träume.

Wenn ihr die „Wenn … dann-Kette“ auf der Niveaustufe A2/B1 verwendet, achtet unbedingt darauf, dass die Teilnehmenden keine Vergangenheitsformen verwenden, weil der Konjunktiv II Vergangenheit oft erst in den B2-Kursen eingeführt wird. Mein Vorschlag ist, die irrealen Bedingungssätze in zwei Schritten zu üben:

Schritt 1: Es sollen möglichst einfache irreale Bedingungssätze gebildet werden. Die Lehrkraft gibt vor, dass keine Modalverben und keine Vergangenheitsformen verwendet werden sollen. Falls Kursteilnehmende das doch tun, stoppt die Lehrkraft die Kette und bittet um die Benutzung von Gegenwartsformen. Ausführliche Erklärungen während der Kette stören den Ablauf ungemein. Außer bei den Verben sein (> wäre) und haben (> hätte) bilden die Teilnehmenden Bedingungssätze nur unter Verwendung des Hilfsverbs „würde“ (siehe Beispieldialog 1).

Schritt 2: Es dürfen auch Modalverben verwendet werden, aber keine Vergangenheitsformen.

Beispieldialog 2 (Konjunktiv II Gegenwart, mit Modalverben):

Lehrkraft: Wenn ich Zeit hätte, …
TN 1: Wenn ich Zeit hätte, würde ich in meine Heimat fliegen.
TN 2: Wenn ich in meine Heimat fliegen würde, könnte ich viele Freunde treffen.
TN 3: Wenn ich viele Freunde treffen könnte, wäre ich glücklich.
usw. usw.

Irreale Bedingungssätze mit dem Konjunktiv II Gegenwart und Vergangenheit (B2/C1)

Im B2-Kurs wiederhole ich zunächst die bereits gelernten Formen des Konjunktiv II und ergänze die Bildung der „klassischen“ Konjunktiv II-Formen, weil nach meiner Erfahrung viele Teilnehmende meinen, dass es nur die Bildung mit „würde“ plus Infinitiv gibt. Unter den „klassischen“ Konjunktiv II-Formen verstehe ich, wie oben bereits dargestellt, Formen wie „ich ginge jetzt gerne nach Hause“, „ich bliebe lieber zu Hauser“, „ich wüsste gerne, …“. Es gibt immer wieder Teilnehmende, denen es großen Spaß macht, die „klassischen“ Formen in der „Wenn … dann“-Kette auszuprobieren. Wichtig ist aber der Hinweis darauf, dass viele dieser Formen in der modernen deutschen Sprache nicht mehr verwendet werden.

Irreale Bedingungssätze auf der Niveaustufe B2

Auch auf der Niveaustufe B2 übe ich die irrealen Bedingungssätze in mehreren Schritten:

Schritt 1: Zuerst werden wie in A2/B1-Kursen irreale Bedingungssätze mit dem Konjunktiv II Gegenwart gebildet. In B2-Kursen sind aber bereits in Schritt 1 Modalverben erlaubt. Der Konjunktiv II Vergangenheit wird ausgeschlossen. Schritt 1 kann im Anschluss an die Wiederholung der bereits gelernten Konjunktiv II-Formen erfolgen (siehe Beispieldialog 2 oben).

Schritt 2: Danach werden im Unterricht die Formen des Konjunktiv II Vergangenheit mit und ohne Modalverben eingeführt und intensiv geübt. Nun werden in der „Wenn … dann-Kette“ auch irreale Bedingungssätze unter Verwendung der Vergangenheitsformen gebildet. Meistens schließe ich die Modalverben aus. Erlaubt aber in starken Gruppen ruhig die Verwendung der Modalverben.

Beispieldialog 3 (Konjunktiv II Vergangenheit, ohne Modalverben):

Lehrkraft: Wenn ich Geld gehabt hätte, …
TN 1: Wenn ich Geld gehabt hätte, hätte ich ein neues Auto gekauft.
TN 2: Wenn ich ein neues Auto gekauft hätte, wäre ich nach Frankreich gefahren.
TN 3: Wenn ich nach Frankreich gefahren wäre, hätte ich Paris besucht.
usw. usw.

Beispieldialog 4 (Konjunktiv II Vergangenheit, mit Modalverben):

Lehrkraft: Wenn ich Zeit gehabt hätte …
TN 1: Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich in meine Heimat geflogen.
TN 2: Wenn ich in meine Heimat geflogen wäre, hätte ich viele Freunde treffen können.
TN 3: Wenn ich viele Freunde hätte treffen können, wäre ich glücklich gewesen.
usw. usw.

Schritt 3: Jetzt wird es noch etwas schwieriger. In dieser Übungsrunde könnt ihr den Konjunktiv II Gegenwart und Vergangenheit mit und ohne Modalverben üben.

Bespieldialog 5 (Konjunktiv II Gegenwart und Vergangenheit, mit Modalverben):

Lehrkraft: Wenn ich reich wäre, …
TN 1: Wenn ich reich wäre, hätte ich vor einem Jahr ein Haus gekauft.
TN 2: Wenn ich vor einem Jahr ein Haus gekauft hätte, müsste ich jetzt nicht umziehen.
TN 3: Wenn ich jetzt nicht umziehen müsste, wäre ich glücklich.
usw. usw.

Irreale Bedingungssätze auf der Niveaustufe C1

Auf der Niveaustufe C1 sollten alle Formen aus den vorhergehenden Kursen bekannt sein. Die „Wenn … dann-Kette“ ist dann auch geeignet, um festzustellen, ob und bei welchen Formen Wiederholungsbedarf besteht. Ihr könnt auch die abgekürzte Form der irrealen Bedingungssätze üben:

Beispieldialog 5 (mit abgekürzten irrealen Bedingungssätzen ohne „wenn“):

Lehrkraft: Wäre ich reich, …
TN 1: Wäre ich reich, hätte ich vor einem Jahr ein Haus gekauft.
TN 2: Hätte ich vor einem Jahr ein Haus gekauft, müsste ich jetzt nicht umziehen.
TN 3: Müsste ich jetzt nicht umziehen, wäre ich glücklich.
usw. usw.

Mit Passivformen habe ich die „Wenn … dann“-Kette noch nie geübt. Das wäre aber sicherlich eine Herausforderung für kleine C1/C2-Gruppen. Probiert es doch mal aus und teilt mir mit, wie es funktioniert hat.

Ich wünsche euch viel Spaß mit meiner Lieblingsübung 1 und freue mich auf eure Kommentare und Rückmeldungen.

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